AHV-Finanzierung: Es braucht eine echte Strukturreform, keine weitere Belastung des Konsums

10. September 2026

Die SWISS RETAIL FEDERATION wehrt sich entschieden dagegen, dass die Mehrwertsteuer zum Allzweckmittel für die Finanzierung von Mehrausgaben des Bundes verkommt: Sie hat die NEIN-Parole zur Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beschlossen und weist die Vernehmlassungsvorlage zur «AHV2030» zurück. Anstatt die 1. Säule ausschliesslich über immer neue Abgaben zu finanzieren, die die Wirtschaft und den Konsum gleichzeitig belasten, fordert der Detailhandel eine grundlegende Überarbeitung und die Integration echter Strukturreformen in die Vorlage.

Im Rahmen der Vernehmlassung zur AHV2030-Reform bezieht die SWISS RETAIL FEDERATION entschieden gegen das überwiegend einnahmenseitige Massnahmenpaket des Bundesrates Stellung. «Die geplanten Erhöhungen der Mehrwertsteuer und der Lohnbeiträge belasten Haushalte und Unternehmen direkt, schwächen die Kaufkraft und vernichten inländische Wertschöpfung», sagt Patrick Erny, Direktor der SWISS RETAIL FEDERATION.

Parallel dazu hat die SWISS RETAIL FEDERATION die NEIN-Parole zum Bundesbeschluss über die Zusatzfinanzierung der AHV durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer beschlossen, welcher am 29. November Volk und Ständen zur Abstimmung unterbreitet wird. Damit wehrt sich der Dachverband des Schweizer Detailhandels weiter dagegen, dass die Mehrwertsteuer immer mehr zum finanzpolitischen Selbstbedienungsladen verkommt.

Doppelte Belastung für den Detailhandel und spürbarer Kaufkraftverlust

Das vom Bundesrat vorgelegte Paket AHV2030 setzt konkret auf eine Mehrwertsteuererhöhung um bis zu 0.9 Prozentpunkte sowie eine Anhebung der Lohnbeiträge um 0.2 Prozentpunkte, um das drohende Milliardendefizit der 1. Säule auszugleichen. Zudem sollen Unfall- und Krankentaggelder der Beitragspflicht unterstellt werden.

Für den Schweizer Detailhandel bedeutet diese Stossrichtung eine doppelte Belastung: Einerseits entstehen erhebliche Umstellungs- und Administrationskosten, die insbesondere für kleine und mittlere Detailhandelsunternehmen nur sehr schwer zu stemmen wären. Andererseits lassen sich die Zusatzkosten im intensiven Preiswettbewerb nicht vollständig an die Kundschaft weitergeben. Dies drückt auf die ohnehin tiefen Margen und schwächt die Investitionsfähigkeit der Betriebe.

Gleichzeitig leidet die Nachfrage. Gemäss Berechnungen des Bundes verteuert die Vorlage in ihrer heutigen Form die Konsumentenpreise erheblich und führt zu einem empfindlichen Konsumrückgang. Aufgrund der regressiven Natur treffen diese Effekte einkommensschwache Haushalte besonders hart.

Die AHV braucht eine strukturelle Reform – und zwar rasch

Die SWISS RETAIL FEDERATION unterstützt das grundsätzliche Ziel des Bundesrates, die finanzielle Lage der AHV nachhaltig zu stabilisieren. «Dass der Bundesrat im Rahmen der vorliegenden Vernehmlassung zur AHV2030 aber komplett auf strukturelle Reformvorschläge verzichtet, ist grobfahrlässig», hält Patrick Erny fest.

Die SWISS RETAIL FEDERATION fordert daher die Rückweisung der Vorlage an den Bundesrat zwecks gründlicher Überarbeitung. Eine nachhaltige Stabilisierung der AHV lässt sich nicht über ausschliesslich einnahmenseitige Massnahmen erzielen, sondern bedingt eine umfassende Prüfung von Strukturreformen, etwa in Form einer Anpassung des Referenzalters, die von flankierenden Massnahmen wie einer Umstellung auf ein «Beitragsjahre»-Modell begleitet wird.

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