Zeit für Entlastung: Deregulierung als Chance

25. September 2025

Geopolitische Unsicherheiten, die schwächelnde Konsumentenstimmung, der wachsende Einkaufstourismus und überbordende Regulierungen setzen den Schweizer Detailhandel zunehmend unter Druck. In dieser Lage ist eine umfassende Deregulierungsoffensive auf allen staatlichen Ebenen zwingend notwendig – nicht nur durch Verzicht auf neue Vorschriften, sondern auch durch den proaktiven Abbau bestehender regulatorischer Hürden. Die SWISS RETAIL FEDERATION fordert zudem eine strengere Auslegung des Cassis de Dijon-Prinzips als bisher.

Der Detailhandel sieht sich mit einer beispiellosen Häufung von Herausforderungen konfrontiert. Die globale Unsicherheit – befeuert durch Kriege und Konflikte, das Verhalten unberechenbarer Grossmächte sowie unsichere handelspolitische Beziehungen – schlägt sich in Kombination mit einer wachsenden finanziellen Belastung der Bevölkerung (z.B. Krankenkassenprämien) in einer gedrückten Konsumentenstimmung nieder. Hinzu kommt ein harter Margen- und Preiskampf, der durch den wachsenden Einkaufstourismus ins grenznahe Ausland weiter verstärkt wird. So nahm gemäss der am Dienstag veröffentlichten Studie «Einkaufstourismus Schweiz 2025» der HSG das Ausmass des Einkaufs ennet der Grenze seit 2022 um 10% zu.

In diesem Umfeld ist eine umfassende Deregulierungsoffensive das Gebot der Stunde. Dabei geht es nicht nur um den Verzicht auf neue Regulierungen, sondern insbesondere um eine proaktive Entlastung durch gezielten Abbau und Flexibilisierung bestehender Vorschriften.

Flexiblere Ladenöffnungszeiten helfen gegen den Einkaufstourismus

Gemäss der genannten HSG-Studie sind die attraktiveren Ladenöffnungszeiten im grenznahen Ausland der fünfwichtigste Grund für Einkäufe ennet der Grenze. Es ist daher sehr begrüssenswert, dass es den Kantonen künftig ermöglicht werden soll, neu maximal 12, statt wie bislang nur 4 verkaufsoffene Sonntage pro Jahr festzulegen. Zusätzliche verkaufsoffene Sonntage für alle Geschäfte, und zwar unabhängig von Sortiment, Standort, Kundenkreis oder Mitarbeiterstruktur, verringern die Abflüsse ins umliegende Ausland.

Cassis de Dijon-Prinzip muss besser Nachachtung verschaffen werden

Im Weiteren fordert die SWISS RETAIL FEDERATION, dass sich die Schweiz konsequenter am Cassis de Dijon-Prinzip orientiert und keine weiteren Ausnahmen schafft, die den Marktzugang erschweren und zusätzliche Kosten verursachen. Das gilt insbesondere für überflüssige oder gar zusätzliche Deklarationen, die speziell für den Schweizer Markt angebracht werden müssen. Zu oft wurden Swiss Finish-Ausnahmebestimmungen geschaffen, die es bei einer strengen Auslegung des Cassis de Dijon-Prinzips gar nicht hätte geben dürfen. Dagmar Jenni, Direktorin der SWISS RETAIL FEDERATION hält fest: «Ohne echte Deregulierung wird der Schweizer Detailhandel zunehmend in die Defensive gedrängt. Es ist Zeit zu handeln – im Interesse der Arbeitsplätze, eines funktionierenden Binnenmarkts, aber auch um die Nahversorgung der Konsumentinnen und Konsumenten zu sichern.»